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Konzept für den Ortskern gesucht PDF Drucken E-Mail

Westerkappeln - „Hübsch und schnuckelig" findet Dieter Salewski den Westerkappelner Ortskern. „Damit das auch so bleibt, muss man etwas tun", meinte der Leiter der Bauabteilung im Rathaus. Doch was ? Dies soll jetzt ein Planungsbüro in einem sogenannten integrierten städtebaulichen Entwicklungs- und Handlungskonzept erarbeiten. Im Bauausschuss am Dienstag entfachte dieser Vorschlag der Verwaltung eine strittige Diskussion.

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Der kleinteilige, dichte und kompakte historische Ortsgrundriss Westerkappelns konnte bis heute in wesentlichen Teilen erhalten werden. Im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung ist es nach Meinung der Verwaltung erforderlich, ein attraktives Zentrum zu erhalten. Luftbild: (Frank Klausmeyer)

Mit einem solchen städtebaulichen Konzept verfolgt die Verwaltung mehrere Stoßrichtungen. Angesichts des demografischen und wirtschaftlichen Wandels kommen auf Westerkappeln - wie auf alle anderen Kommunen - möglicherweise erhebliche Veränderungen zu. Im Zentrum drohen Leerstände in den Geschäften, der Anteil junger Menschen ist rückläufig, was beispielsweise auch Folgen für die Wohnungsstruktur haben dürfte. Fachleute sollen sich deshalb nun Gedanken machen, wie der Ortskern attraktiv bleiben kann.

Die Empfehlung der Verwaltung hat aber auch finanzielle Gründe. „Die Landesregierung hat die Städtebauförderung komplett umgestellt", erklärte Salewski. Einzelne Projekte - wie eine Neugestaltung des Kirchplatzes - hätten keine Aussicht auf Zuschüsse mehr, es sei denn, sie wären in ein integriertes Konzept eingebunden. Dabei gehe es nicht nur um bauliche Maßnahmen, stellte Salewski klar. Auch Initiativen und Aktionen könnten dann unterstützt werden.

Aus der SPD gab's klare Zustimmung. „Man sollte gewappnet sein, wenn Fördermittel zur Verfügung gestellt werden", sagte Stefan Lenze, sachkundiger Bürger der Sozialdemokraten.

Die CDU lehnte es ab, ein integriertes städtebauliches Entwicklungs- und Handlungskonzept in Auftrag zu geben. Etwa 20 000 Euro wird die Gemeinde dafür bezahlen müssen. Die „Gutachteritis", die sich in den vergangenen zehn Jahren breit gemacht habe, hätte wenig gebracht, kritisierte Wolfgang Jonas mit Hinweis auf das Einzelhandels- und Zentrenkonzept, die Pläne für den Kirchplatz oder ein agrarstrukturelles Gutachten. „Das Geld für die Gutachten haben wir ausgegeben. Fördermittel gab es aber nie", sagte Jonas. „Wir haben alles schon einmal begonnen und alles ist im Frust der Beteiligten untergegangen." Es gehe nicht darum, die Hände in den Schoß zu legen, aber die Entwicklung müsse aus der Gemeinde selbst in Gang gesetzt werden. Eine Aufgabe für die Wirtschaftsförderung, wie Jonas glaubt.

Auch bei Manfred Hemmer (FDP), der sich der Stimme enthielt, überwog die Skepsis. 2002 sei ein Entwicklungskonzept für den örtlichen Einzelhandel verabschiedet worden. Seitdem sei keiner der darin gemachten Vorschläge umgesetzt worden.

Ein neues Konzept ziele nicht nur auf den Einzelhandel, gab Salewski zu bedenken. Es gehe auch darum, Diskussionen über das Erscheinungsbild der Kommune anzuregen. Zur Attraktivität des Ortes trüge beispielsweise auch der Hasenbrunnen bei.

Bürgermeister Ullrich Hockenbrink betonte, dass die Gutachten der Vergangenheit nicht einfach in der Schublade verschwunden seien. „Wir arbeiten täglich damit." So seien das Zentrenkonzept oder die agrarstrukturelle Studie Grundlage für den Flächennutzungsplan gewesen.

Am Ende gab es eine breite Mehrheit für die Erarbeitung eines Konzeptes. Rolf Brall (Grüne) hielt es für ratsam, einen Außenstehenden den Blick auf den Ort werfen zu lassen. „Wenn man sich die Leerstände in anderen Orten anschaut, kann man gar nicht Gutachten genug haben", befand auch Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft).

VON FRANK KLAUSMEYER, WESTERKAPPELN

Quelle: WN - 24.06.2010