|
Westerkappeln - Es stinkt zwar nicht bis zum Himmel. Unangenehm riecht es aber trotzdem; nach einem Gemisch aus Urin und Klosteinen. „Besonders an warmen Tagen gibt es Geruchsbelästigungen", sagt Uwe Gröger, Vorsitzender der Schulpflegschaft an der Grundschule Stadt. Seine Empfehlung für die in die Jahre gekommene Toilettenanlage: „Am besten den Bagger davor und abreißen !" Doch weil auch Gröger weiß, dass die Gemeinde kein Geld für einen Neubau hat, könnten sich die Eltern schon mit einer Lüftungsanlage zufrieden geben.
 |
| Ortstermin auf dem Mädchen-Klo: Der Schulausschuss nahm Donnerstag die Toilettenanlage der Grundschule Stadt in Augenschein Foto: (Frank Klausmeyer) |
Der Schulausschuss des Rates hat sich am Donnerstagabend ein Bild vor Ort gemacht. Hauptamtsleiter Jürgen Hirlehei kennt das WC noch gut - aus der eigenen Schulzeit. Als er 1964 aus der damaligen Volksschule entlassen wurde, stand das Toilettengebäude schon seit acht Jahren. Immerhin: 1990 gab es eine größere Sanierung. Seitdem wurde nichts mehr gemacht.
„Die Kinder verdrücken sich den Gang zur Toilette", berichtete Gröger. Eine Sanierung des Anbaus sei jedes Jahr Thema der Schulkonferenz.
Und auch in den Ratsgremien kommen die Zustände regelmäßig zur Sprache. Die CDU hatte im vergangenen Jahr gefordert, einen Teil der Mittel aus dem Konjunkturpaket II in die Renovierung der Toilettenanlage zu stecken. Stattdessen werden die 1,2 Millionen Euro ausnahmslos in die Modernisierung der Realschule investiert.
Die Schulpflegschaft hat sich deshalb Gedanken gemacht, wie die Situation verbessert werden kann. Gröger schlug vor, eine Lüftungsanlage zu installieren. Die Kosten bezifferte er auf 6000 bis 7000 Euro. Die Verwaltung wurde am Donnerstag vom Schulausschuss beauftragt, diese oder alternative Möglichkeiten wohlwollend zu prüfen.
„Eine Sanierung der Toiletten ist nicht erforderlich. Die Anlage macht einen vernünftigen Eindruck", meinte Rolf Brall (Bündnis 90/Die Grünen) und stand mit dieser Einschätzung nicht alleine da. Die unangenehmen Gerüche stellte aber niemand in Frage.
Doch woher kommen diese ? Es wird ja schließlich geputzt. Die Fugen zwischen den Fliesen - vor allem auf dem Knaben-Klosett - haben offenbar jede Menge Urin aufgesogen. „Deshalb werden sie die Geruchsbelästigung nicht in den Griff bekommen", prophezeite Jürgen Hirlehei.
Dieser Umstand hat weniger technische Ursachen als menschliche Gründe. Denn offenbar machen sich immer wieder Kinder einen Spaß daraus, neben die Becken zu pinkeln. „Das ganze beginnt sicher mit der Erziehung durch die Eltern", räumte Uwe Gröger ein. Viele Kinder wüssten offenbar auch nicht, wie sie sich auf der Toilette verhalten sollen, sei es beim Händewaschen oder bei der Benutzung des Toilettenpapiers, das manchmal meterweise abgerollt wird. Gröger kündigte deshalb Projektarbeit durch die Elternpflegschaft an, um Toilettengänge zu trainieren.
Heike Cizelsky (CDU) schlug vor, mehr Aufsicht zu führen. „Damit haben wir nichts zu tun. Personal ist Landessache", erklärte Bürgermeister Ullrich Hockenbrink kategorisch. Nun ist es nicht so, dass kein Erwachsener nach dem Rechten schaut. In den Pausen führten selbstverständlich Lehrer Aufsicht - vor den Türen, stellte Rektorin Roswitha Lührmann klar. „Während des Unterrichts haben die Kinder aber viel mehr Möglichkeiten, sich auszutoben."
Cizelsky wollte nicht die Pädagogen zur WC-Kontrolle verdonnern, sondern verstärkt Reinigungs- oder andere Hilfskräfte einsetzen. Es gebe bereits eine 1-Euro-Kraft, die regelmäßig nachschaue. , sagte Lührmann. Manchmal werde auch ein Schüler, der sich nicht benehme, in flagranti erwischt. „Am liebsten würde ich die die Toilette putzen lassen, das darf ich aber nicht."
Das Grundproblem sei aber die Überalterung des Gebäudes, gab Gröger zu bedenken. Es sei nicht einmal eine vernünftige Dämmung vorhanden. „Ich kann nicht verstehen, warum es nicht möglich ist, für über 300 Schüler eine vernünftige Toilettenanlage zu schaffen."
VON FRANK KLAUSMEYER, WESTERKAPPELN
Quelle: WN - 25.06.2010
|